Konzeption: Achim Bornhoeft, Katja Büchtemann
Choreographie: Katja Büchtemann
Musik: Achim Bornhoeft
Bühne/Raum: Ulrich Baumeister
Kostüme: Manuel Quero Castellano
Produktionsleitung: Joachim Goldschmidt
Text: Marcel Beyer

UA: 07.10.1999, Festspielhaus Hellerau, Dresden

Tanz: Laura Delfino, Francesco Pedone, Annelise Soglio, Elvira Salomone, Carlos Sampaio, Roman Vittinghoff
Chor: Kantorei der Kreuzeskirche, Essen, Ltg. Eckard Manz
Dauer: 70 min

Förderung:: Arbeitskreis Kunst und Medien des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, NRW , Fonds Darstellende Künste e.V., Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik, Stadt Essen

Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geht eine ungeheure Hoffnung durch Europa: für alle ausgebeuteten und unterdrückten, durch Jahre des Mangels und der Hungersnot dezimierten Völker zeichnet sich auf einmal ein gelobtes Land ab: Amerika. Zu Millionen schiffen sie sich ein für eine Reise ohne Wiederkehr und jahrzehntelang ist die letzte Etappe dieser nie dagewesenen Massenauswanderung eine kleine Insel namens Ellis Island, auf der die Einwanderungsbehörden der Vereinigten Staaten ihr Auffanglager errichtet haben. Auf der schmalen Sandbank an der Mündung des Hudson, nur wenige Seemeilen von der neuen Freiheitsstatue entfernt, finden für kurze Zeit alle zusammen, die seitdem die amerikanische Nation gebildet haben. Von 1892 bis 1924 werden annähernd sechzehn Millionen Menschen durch Ellis Island geschleust . Die meisten bleiben nur einige Stunden dort.

Die Geschichte von Ellis Island ist Inspiration und Metapher für das zweite Stück, daß die Tänzerin Katja Büchtemann und der Komponist Achim Bornhöft gemeinsam unter dem vorläufigen Projektnamen „Die Folgen der Fortsetzung“ realisieren. Durch den behutsamen Einsatz multimedialer Technik versuchen sie erneut, die poetischen Möglichkeiten experimenteller Bühnenkunst auszuloten. 6 Tänzer und Tänzerinnen, begleitet von Chor und Tonband finden sich, als Menschen unterschiedlichster Herkunft an einem abgeschlossenen Ort wieder, um sich der einen, gleichen Prüfung zu unterziehen, die über ihre Zukunft und damit über ihre Hoffnungen und Visionen entscheidet. In dieser Zone mit ihren eigenen, unbekannten Gesetzen blicken sie auf ihr bisheriges Leben zurück, bevor sie an verschiedenen Stationen Rituale durchlaufen, in denen sie ihre Herkunft, ihre Geschichte und Tradition zu vergessen versuchen, um dem Menschenbild zu entsprechen, welches ihnen den Eintritt in ein neues Leben an einem neuen Ort gestattet. In diesem Bestreben nähern sie sich einander an und erleben so die erste Solidarität in einer Gemeinschaft von Heimatlosen. Am Ende bleibt ein verlassener Ort zurück und mit ihm die Geschichten der Menschen, deren Lebensweg hier getrennt wurde in Vergangenes und Zukünftiges.